Erinnerungen an Ernst Josef Brandl

Em. o. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. DDr. h.c. 

Ernst Josef Brandl

21. März 1932 – 21. Mai 2026

Zum Gedenken

Ernst Josef Brandl führte ein langes Leben, das von Wissenschaft, Universität, Familie und einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl geprägt war. Er verstand sein Leben nicht als bloße Abfolge persönlicher Erfolge, sondern als Aufgabe: zu lernen, zu lehren, zu forschen, Institutionen mitzugestalten und das Empfangene weiterzugeben.

Ernst Josef Brandl

Geboren wurde er am 21. März 1932 in Wien. Nach seiner Schulzeit studierte er an der damaligen Hochschule für Bodenkultur Landwirtschaft. Früh wandte er sich der Milchwirtschaft, der landwirtschaftlichen Mikrobiologie und später der Milchhygiene und Milchtechnologie zu. Diese Fachgebiete bestimmten sein wissenschaftliches Leben.

Sein beruflicher Weg führte ihn von der Hochschule für Bodenkultur an die Veterinärmedizinische Universität Wien. Dort prägte er über Jahrzehnte sein Fachgebiet, übernahm Verantwortung in Lehre, Forschung und universitärer Selbstverwaltung und wirkte in den Studienjahren 1985/86 und 1986/87 als Rektor. Internationale Anerkennung fand sein wissenschaftliches Lebenswerk unter anderem durch Ehrendoktorate der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität Helsinki.

Bei allem beruflichen Erfolg blieb sein eigener Rückblick nicht auf Titel, Funktionen und Auszeichnungen beschränkt. In seinem persönlichen Text "Dank für geschenkte Augenblicke" blickte er auf das zurück, was ihm wesentlich war: Familie, Herkunft, Lehrer, Freunde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Glaube und die Erfahrung, von anderen getragen worden zu sein. Er zeigt Dankbarkeit, aber auch sein Bewusstsein dafür, dass ein gelungenes Leben nie nur das Ergebnis eigener Leistung ist. Vieles wurde ihm geschenkt; vieles hat er daraus gemacht.

Wer Ernst Josef Brandl kannte, begegnete einem Menschen mit hohen Ansprüchen - an sich selbst, an seine Arbeit und oft auch an seine Umgebung. Hinter diesen Ansprüchen stand ein ernstes Pflichtgefühl. Er wollte seine Aufgaben gut erfüllen, seine Arbeit sauber dokumentieren und am Ende Rechenschaft darüber ablegen, was er empfangen, geleistet und weitergegeben hatte.

Sein Leben hinterlässt Spuren: in seiner Familie, an den Universitäten, an denen er wirkte, in seinem Fachgebiet und bei den Menschen, die von ihm gelernt haben.

Wir erinnern uns an ihn mit Dankbarkeit, Respekt und Zuneigung.

Lebenstationen

Einige Stationen eines langen Lebens, das Ernst Josef Brandl selbst mit großer Genauigkeit dokumentiert hat:

1932

Ernst Josef Brandl wird in Wien geboren und zeigt bereits in jungen Jahren Interesse an Naturwissenschaften.

1951

Reifeprüfung am Bundesgymnasium Wien XIII, Fichtnergasse; Beginn des Studiums an der Hochschule für Bodenkultur.

1958

Promotion zum Doktor der Bodenkultur.

1970

Habilitation an der Hochschule für Bodenkultur Wien.

1974

Ernennung zum ordentlichen Universitätsprofessor und Bestellung zum Vorstand des Instituts für Milchhygiene und Milchtechnologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

1985-1987

Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

1992

Verleihung des Ehrendoktorats der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

1996

Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Helsinki im Bereich Food Sciences.

2000

Emeritierung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Diese Stationen ersetzen nicht sein Leben. Sie markieren nur einige Punkte eines langen Weges, den er selbst mit großer Genauigkeit dokumentiert hat.

Aus seinem eigenen Rückblick

In seinen „Biographischen Reminiszenzen“ hat Ernst Josef Brandl sein Leben mit großer Genauigkeit dokumentiert. Er selbst verstand diesen Text auch als Rechenschaftsbericht: als Sammlung von Lebensstationen, akademischen Funktionen, wissenschaftlichen Arbeiten, Begegnungen, Ehrungen, Reisen und Dank.

Gerade darin liegt der besondere Wert dieses Dokuments. Es zeigt einen Menschen, der sein Leben als Aufgabe verstand. Er wollte festhalten, was ihm anvertraut war, was er daraus gemacht hatte und wem er Dank schuldete. Die Genauigkeit des Textes ist daher nicht bloß äußerliche Gründlichkeit. Sie gehört zu seiner Persönlichkeit.

Besonders persönlich ist der einleitende Abschnitt „Dank für geschenkte Augenblicke“. Dort blickt er nicht auf Titel und Funktionen, sondern auf das, was ihm wesentlich war: Familie, Herkunft, Lehrer, Freunde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Glaube und die Erfahrung, von anderen getragen worden zu sein.

Er schrieb:

„Reich beschenkt hat mich Gott, und ich habe dankbar empfangen. Ich hatte das Glück, in einem Großteil meines Lebens in einem freien Land geboren zu werden – in eine harmonische Familie hinein.“

In seinem Rückblick dankte Ernst Josef Brandl nicht nur seinen akademischen Lehrern, Kolleginnen und Kollegen, sondern auch seiner Familie. Dieser Dank zeigt, dass er sein Leben nicht als isolierte Einzelleistung verstand. Vieles, was er leistete, sah er zugleich als Antwort auf das, was ihm gegeben worden war.

Für die öffentliche Gedenkseite wurden nur ausgewählte Passagen aus den „Biographischen Reminiszenzen“ übernommen. Die vollständige Fassung bleibt ein Familien- und Archivdokument.

Wissenschaft als Verantwortung

Ernst Josef Brandls wissenschaftliches Wirken galt der Milchhygiene, Milchtechnologie, landwirtschaftlichen Mikrobiologie und Lebensmittelwissenschaft.

Diese Fachgebiete standen an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Tiermedizin, Ernährung, öffentlicher Gesundheit und Lebensmittelwirtschaft. Milch war für ihn nicht nur ein landwirtschaftliches Produkt, sondern ein Lebensmittel, das besondere Sorgfalt verlangt: bei der Gewinnung, Verarbeitung, Kontrolle und wissenschaftlichen Beurteilung.

Seine Arbeit verband Forschung und praktische Verantwortung. Sie richtete sich auf Qualität, Hygiene, Sicherheit und Ausbildung. Damit wirkte sie weit über die Universität hinaus: in Behörden, Fachgremien, Untersuchungswesen, Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft.

Seine wissenschaftliche Haltung war von Genauigkeit, Verantwortlichkeit und Respekt vor der Sache geprägt.

Die Universität als Lebensform

Für Ernst Josef Brandl war die Universität mehr als ein Arbeitsplatz. Sie war eine Institution, der man diente, die man mitgestaltete und deren Würde man ernst nahm.

Als Institutsvorstand, Prärektor, Rektor und Prorektor übernahm er Verantwortung für die Veterinärmedizinische Universität Wien. Diese Funktionen waren für ihn keine bloßen Verwaltungsaufgaben. Sie gehörten zu einem Verständnis von Universität, das Wissenschaft, Lehre, Selbstverwaltung und öffentliche Verantwortung miteinander verband.

Sein Bericht zeigt auch eine heute bereits historisch gewordene akademische Welt: Rektoratsakten, Festakte, akademische Ehrungen, Einladungen, Kommissionen, Gremien, internationale Kontakte und persönliche Begegnungen. Manches wirkt aus heutiger Sicht formal. Für ihn aber waren diese Formen Ausdruck einer Ordnung, in der Wissenschaft nicht vereinzelt, sondern institutionell getragen wurde.

Internationale Anerkennung

Seine fachliche Arbeit fand auch über Österreich hinaus Anerkennung. Besonders sichtbar wurde dies in zwei Ehrendoktoraten:

1992 durch die Veterinärmedizinische Universität Wien und

1996 durch die Universität Helsinki im Bereich Food Sciences.


Erinnerungen und Momente

93. Geburtstag

Besuch im Stephansdom 2025

Ende der 1930-er Jahre

Mit seinem Kollegen und Freund Helmut Foissy

Geburtsanzeige Ernst O. Brandl

Schärdinger Milchhof in Wien Penzing

Vorlesung im Garten 2025

Mit Bruder Dietmar und Freundinnen vor "seinem" China-Restaurant

Anfang der 40-er Jahre mit Schwester Trude

Beim Mikroskopieren mit Eva Binder

1971 mit Tochter Eva

94. Geburtstag

Schloss Schönbrunn 2025

Hochzeitsphoto mit Lia

Ein Ort für Eure Worte

Wer Ernst Josef Brandl begegnete, erlebte ihn aus unterschiedlichen Perspektiven: als Vater, Großvater, Lehrer, Kollegen, Rektor, Freund oder wissenschaftlichen Wegbegleiter. Diese Seite sammelt ausgewählte Erinnerungen von Menschen, die mit ihm verbunden waren.

Kondolenzen bitte bevorzugt hier auf dieser Seite, alternativ bitte per Post an:
Mag. Eva Brandl, Wattmanngasse 23/A/9, 1130 Wien

Vetmeduni trauert um Ernst Brandl

In großer Trauer teilen wir mit, dass Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Ernst Brandl im 95. Lebensjahr verstorben ist. Wir verabschieden uns von unserem ehemaligen Rektor und geschätzten Kollegen.

Martin Wagner im Namen ehemaliger Kolleg:innen der Vetmeduni:

Da Ernst Brandls beruflicher Weg engstens mit der Veterinärmedizinischen Universität verknüpft ist, ist es mir eine Ehre, als sein Nachfolger diesen Nachruf zu verfassen.

Der Verein Österreichischer Lebensmittel- und Biotechnologen (VÖLB) trauert um ein langjähriges Mitglied, einen hochverdienten Kollegen und guten Freund. Im Jahr 2022 durften wir Prof. Brandl die 50-jährige Treue-Urkunde des VÖLB und die goldenen Ehrennadel verleihen. Wir werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten und sprechen seiner Familie und seinen Angehörigen unser tief empfundenes Mitgefühl aus.

Klaus Dürrschmid, Wien


Mit großem Bedauern haben wir vom Ableben von Prof. Dr. Ernst Josef Brandl erfahren und möchten auf diesem Weg namens der österreichischen Milchwirtschaft unsere aufrichtige Anteilnahme aussprechen.

Prof. Brandl war über viele Jahrzehnte die wissenschaftliche Institution der österreichischen Milchwirtschaft. Durch sein unermüdliches Wirken im Dienste der Wissenschaft und der Milchwirtschaft und seine Art die wissenschaftlichen Erkenntnisse in verständlicher Weise an die Praxis zu vermitteln, hat er die heute erreichten und international vorbildlichen Qualitätsstandards der österreichischen Milchwirtschaft wesentlich mitgeprägt. Generationen an Verantwortungsträgern in der Milch- und Lebensmittelwirtschaft haben von seiner Tätigkeit profitiert.

Die österreichische Milchwirtschaft hat heute einen so hohen und international anerkannten Stellenwert erreicht, weil es schon vor Jahren Persönlichkeiten wie Prof. Brandl gab, die mit vollem Einsatz für diesen Sektor gearbeitet und gekämpft haben. Dafür gebührt ihm Ehre, Dank und Anerkennung.

Die österreichische Milchwirtschaft hat einen wichtigen Partner und Freund verloren. Wir werden Ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

MILCHVERBAND ÖSTERREICH
Johann Költringer,
Geschäftsführer

Dir. Helmut Petschar
Präsident

Johann Költringer, Wien


Mit grossem Interesse habe ich die "Erinnerungen an Ernst Josef Brandl" gelesen und entdeckt wie viel und bedeutendes von dem, was ich Anfang der Neunziger Jahre als Student der Milchwissenschaften, gelehrt bekam, mit dem Namen Ernst Brandl verknüpft ist.
Vor drei Jahren durfte ich Ernst Brandl persönlich kennenlernen und wir haben uns intensiv über aktuelle Themen der Milchwirtschaft und -wissenschaft unterhalten. Ich werde diese Begegnung nie vergessen und Herrn Prof. Brandl stets in bester Erinnerung behalten!

Dr. Johann Meier, Oberstdorf


Dankbar für Deine Freundschaft. Du, lieber Ernst, warst uns in Deiner Treue stets ein liebevoller Wegbegleiter.

Traute und Werner, St.Leonhard am Hornerwald


Liebe Familie Brandl,
mit großer Trauer habe ich die Nachricht zum Tod von Herrn Professor Brandl entgegengenommen und möchte Ihnen auf diesem Weg mein tief empfundenes Mitleid zu diesem Verlust mitteilen.
Das Angebot, auf dieser Seite Erinnerungen an ihn zu teilen, möchte ich gerne in Dankbarkeit wahrnehmen. Diese Erinnerungen reichen über 40 Jahre zurück und beginnen zu meiner Zeit als Veterinärmedizinstudent und als Dissertant am Institut für Milchhygiene unter seiner Betreuung. Neben seiner fachlichen Expertise und Unterstützungsbereitschaft hat mich besonders seine Gradlinigkeit als Vorbild sehr beeindruckt.
Darauffolgend habe ich mich neben den fachlichen Kooperationen vor allem darüber gefreut, über viele Jahre immer wieder persönlichen Kontakt mit ihm halten zu können. Seine Herzlichkeit und Offenheit waren über all diese Jahre für mich besonders beeindruckend. Auch sie werde ich dankbar als persönlich wertvolles Andenken bewahren.

Jürgen von der Emde, Mödling


Als letzter Geschäftsführer des "Schärdinger" OÖ. Molkereiverbandes ist mir bekannt, dass schon der Vater von Prof. Ernst Brandl als Direktor des Schärdinger Milchhofes in Wien mit der Milchwirtschaft verbunden war.

Mit Prof. Ernst Brandl verbinden mich viele Jahre, in denen ich ihn als exzellenten Vortragenden bei milchwirtschaftlichen Tagungen aber auch bei Veranstaltungen der AFEMA erleben durfte. Ebenso als Kuratoriums-Mitglied in der Dr. Hermann Zittmayr Stiftung.

Prof. Ernst Brandl war aber auch ein sehr humorvoller und aufmerksamer Mensch mit dem ich bis zum Vorjahr auf elektronischem Weg kommunizieren durfte.
Mit Respekt und Dankbarkeit verneige ich mich vor diesem großartigen Menschen und werde ihn in guter Erinnerung behalten.

Ing. Hans Tremesberger, 4342 Baumgartenberg


Meine Begegnungen mit Prof. Ernst Brandl reichen mehr als vierzig Jahre zurück. Er war mein Doktorvater und mein Chef während meiner Zeit als Assistent am Institut für Milchhygiene der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Danach war er ein wohlwollender Begleiter meines weiteren Berufsweges und wir sind einander wertschätzende lose Freunde geworden.

Von Beginn an hat mich sein Arbeitsethos tief beeindruckt. Er war so dermaßen pflichtbewusst, geradlinig, fleißig und bescheiden. Während seiner Zeit als Rektor litt er unter den Unzulänglichkeiten der öffentlichen Verwaltung, den Allüren mancher seiner Kollegen und den Widerständen gegen Veränderungen. Nach langen, oft von Enttäuschungen geprägten Schilderungen pflegte er seine Ausführungen mit einem Satz zu beenden, den ich nie vergessen habe: „Aber wissen Sie, Herr Kollege, eines muss man Österreich neidlos zuerkennen – landschaftlich ist es äußerst reizvoll.“
...

Bernhard Url, Wien


Lieber Ernst,
zu einem deiner runden Geburtstage hattest du die Idee die Großfamilien Ebersberger-Brandl einzuladen, sodass alle Cousinen und Cousins und deren Kinder sich wieder einmal treffen sollten.
Dank deiner Initiative kam es fast jährlich zu einem Familientreffen das von allen sehr geschätzt wurde.
Beim ersten Treffen sagtest du: „Nicht nur traurige Anlässe sollen die Familien zusammen führen, sondern lasst uns doch fröhlich regelmäßig feiern“. Für diese Initiative möchten wir dir ein letztes Mal DANKE sagen.

Gabriele und Josef Ebersberger, St. Pölten


Als junger Milchwissenschaftler habe ich Prof. Brandl bei den damaligen Milchwirtschaftlichen Tagungen in Wolfpassing bzw. Rotholz kennenlernen dürfen. Prof. Brandl hat sich dann dankenswerterweise bereit erklärt, als zweiter Prüfer bei meinem Rigorosum zu fungieren. Anschließend hat mich Ernst Brandl bei einer Projekteinreichung mit äußerstem Nachdruck ideell unterstützt, und ich bin mir sicher, dass ohne eben diese Unterstützung sich mein beruflicher Weg nicht so entwickelt hätte, wie er sich eben entwickelt hat.

Auf Wiedersehen, Herr Kollege!

Harald Rohm, Dresden


Im Lebenslauf unseres Großvaters wird schnell klar, dass er ein pflichtbewusster und äußerst engagierter Professor war, der in seiner akademischen Laufbahn viel erreicht hat. Wir schätzen uns jedoch besonders glücklich, auch eine ganz andere Seite von ihm erlebt haben zu dürfen: als unseren Opa.

Für uns war er ein liebevoller, fürsorglicher und hilfsbereiter Opa, der unser Leben auf unzählige Arten schöner gemacht hat. Wir sind unendlich dankbar für die gemeinsame Zeit und die vielen Erinnerungen, die wir mit ihm sammeln durften und für immer in unseren Herzen tragen werden. Besonders gerne denken wir an die kleinen Traditionen zurück, die unsere Kindheit geprägt haben. ...

Sophie & Leona Mittermair, Wien


Mein "Onkel Ernst" war mit Leib und Seele Wissenschaftler. Seine Leistungen und Erfolge sind hier ausführlich dokumentiert. Ich konnte diese Seite schon früh kennenlernen, waren doch Gespräche über Hochschulpolitik mit meinem Vater beim sonntäglichen Nachmittagskaffee bei meinen Großeltern fast so etwas wie Normalität. Und auch später erzählte er oft und gerne über Themen, die ihn in seiner Forschung beschäftigten. Das war immer interessant, wenn er einen an seinem Wissen und an seiner Begeisterung für Milchhygiene teilhaben ließ.

Aber als mein Taufpate waren seine anderen Seiten viel wichtiger. ...

Christian Halbwachs, Wien


Für mich, der ich aus einer Arbeiterfamilie komme, und der ich als erster in der Familie studieren durfte, war der Eintritt in das Institut für Milchhygiene neudeutsch gesagt ein game changer. Ich hatte wenig Ahnung von dem, was mich im akademischen Leben erwartete, aber ich wusste, dass ich in Ernst einen Chef hatte, der einen bedingungslos unterstützte, wenn man es ernst meinte.

Er war zwar der Meinung, dass eine akademische Karriere in der Lebensmittelwirtschaft mit Österreich‘s Beitritt zur E.U. auf Grund der erwartbaren Marktverschiebungen irrelevant werden würde, aber Gottseidank irrte er sich in diesem Punkt. Ich fasste sofort Vertrauen zu ihm, und wollte die gemeinsam entwickelten Ziele erreichen. Er nahm sich nobel zurück, überlies den Jungen die Sichtbarkeit. Dass das gelang und aus einem „Seitenfach“ der Veterinärmedizin ein international führendes Institut in der Lebensmittelforschung wurde, ist Ernsts Integrität zu verdanken. ...

Martin Wagner, Wien


Eine der Geschichten, die mein Vater immer wieder erzählte, spielte am Ende des Zweiten Weltkriegs. Österreich lag in Trümmern. Mein Vater hatte die letzten Kriegsjahre bei Verwandten in Oberösterreich verbracht – in Sicherheit, auf dem Land, fern vom Krieg, fern von Hunger. Jetzt, da der Frieden zurückkehrte, sollte er wieder nach Wien. Zurück in die Stadt. Zurück in die Schule. Er wollte das nicht. Er wollte lieber Bauernknecht bleiben, weil es ihm am Land so gut ging.

Wollte jemand ein Buch über ein nahezu perfektes Leben schreiben – er könnte das Leben meines Vaters nehmen.

Er wurde in eine Familie hineingeboren, die ihm Voraussetzungen gab, welche die Menschheitsgeschichte kaum kannte: Voraussetzungen für Bildung. Für Aufstieg. Für ein gelingendes Leben. Er war zu jung, um in den Krieg ziehen zu müssen, und alt genug, um zu verstehen, welches Glück er hatte. Seine Eltern und Verwandten hatten ihn in Sicherheit gebracht. Eine Schule, ein Weg, eine Zukunft warteten auf ihn. ...

Ernst O. Brandl, Krumau am Kamp


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